Von Antipathie und Kartoffelsalat

Es gibt Menschen, die mögen mich nicht. Tatsache. Und nicht dramatisch. Denn, hey auch ich mag manche Menschen nicht. Sympathie für jemanden zu hegen (oder eben nicht) ist völlig legitim. In der Vergangenheit plagten mich dann häufig Selbstzweifel. „Was stimmt nicht mit mir?“ „Findet die Person mich komisch?“ „Bin ich komisch?“ „Warum bin ich komisch?“ Bla bla bla.

Sowieso war alles meine Schuld. Waldbände in Californien? Meine Schuld. Deutschland ist kein Weltmeister? Meine Schuld. Die Freundin des Kumpels meines Bruders hat Schluss gemacht? Auf jeden Fall meine Schuld!

So verhielt es sich erst recht, wenn ich merkte, dass mich jemand nicht leiden kann. Ihr kennt das sicher: Ihr seid zu einer Party eingeladen und wisst dass die ein oder andere Person, die ihr nicht ganz so sympathisch findet, auch dort sein wird. Soweit so scheiße. Grundsätzlich finde ich es immer angenehmer, wenn nur ich die Person unsympathisch finde. Da übe ich mich dann im Pokerface, ein bisschen lächeln, nicken, 5 Minuten schlechten Small Talk aus dem Mund blubbeln lassen und voilá! (Umdrehen, mit wem anders reden und weitertrinken).

Aber was, wenn die Person mindestens eine genau so große Antipathie gegen dich hegt, wie du gegen sie? – Doppelt scheiße, weil doppelt unangenehm. Aber auch davon geht die Welt nicht unter. Denn es gibt auf der Party immer mindestens eine Person, die dich gern hat. Sonst wärst du ja nicht eingeladen. Klar, es gibt angenehmere Dinge im Leben, als zu einer Party zu gehen, bei der einen nur der Gastgeber so richtig gut leiden kann. Und ein harmonisches Miteinander ist mitunter schwierig, wenn dir bei allem, was eine bestimmte Person sagt, der Kartoffelsalat wieder hochkommt.

Ich könnte jetzt Anfang mit diesem „Wer keine Feinde hat, hat keinen Charakter“-Bullshit. Solche Pseudo-Lebensweisheiten sind aber eher so Teenie-Instagram-Style.
Fakt ist meiner Meinung nach: Wenn du dich zeigst, wie du wirklich bist. Mit allen Ecken und Kanten, Verrücktheiten und Eigenarten, wird es immer jemanden geben, der oder die dich nicht mag. Das verhält sich ein bisschen wie mit Trump. Nur weil (leider noch!) 39 Prozent der Amerikaner Trump und seine Politik gut finden, heißt das nicht, dass der Kartoffelsalat drinnen bleibt, sobald der Mann den Mund aufmacht.

In solchen Situationen ist es hilfreich, 1. einen starken Magen zu haben 2. Starke Nerven zu besitzen und 3. (Und das ist dass Wichtigste von allen!) sich darauf zu besinnen, dass es in den allermeisten Fällen doppelt so viele Menschen gibt, die dich mögen als solche, die es nicht tun. Und während dein Magen mit dem Kartoffelsalat beschäftigt ist, denk an den letzten Abend mit deinen Freundinnen. Denk an die Momente, in denen dir vor Lachen der Rotwein fast aus der Nase geschossen wäre. Denk an ein Kompliment, welches dir neulich jemand gemacht hat. Es ist völlig normal, hin und wieder nicht gemocht zu werden oder jemanden nicht zu mögen. Und es ist nicht deine Schuld, wenn dich jemand nicht mag. Vielleicht wurden der Person im Voraus irgendwelche Halb-Warhheiten über dich erzählt, die jetzt ins Bild, was sie von dir hat, mit einfließen. Vielleicht kann die Person einfach nicht mit Neid umgehen und du zeigst ihr Dinge auf, die sie selbst gern hätte oder erreichen würde. Warum dich jemand scheiße findet, ist völlig egal und kann dir getrost am aller Wertesten vorbeigehen. Denn nicht vorhandene Sympathie hat nichts mit Schuld und in den wenigsten Fälle mit Fehlverhalten deinerseits zutun. Hättest du dich jemandem nämlich wirklich blöd gegenüber verhalten, würde das unter Freunden zur Sprache kommen. Spätestens, wenn die Person, die dir nicht so wohlgesonnen ist, gerade nicht zuhört. Und dann kannst du immer noch etwas dagegen tun. Und dann gibt es da immer noch die Möglichkeit, die Tatsache, dass dir jemand unsympathisch ist, offen zu kommunizieren.

Zugegeben, das ist nicht jedermanns Art. Erleichtert den Umgang aber sehr, meiner Meinung nach. Natürlich solltest du nicht einfach hingehen und sagen: „Hi, übrigens. Ich find‘ dich eigentlich voll scheiße.“ – Besser ist es, deine Antipathie auf etwas bestimmtes zu beziehen. Ein Beispiel: In meinem Freundeskreis ist ein Mann, dessen Sarkasmus ich nicht verstehe. Und (Überraschung!) er versteht meinen nicht. Und dann gibt es da noch so ein Paar andere Dinge, warum er mich offenbar nicht leiden kann. Durch dieses Sarkasmus-Ding, wissen weder er noch ich so richtig, wie wir miteinander umgehen sollen, weil wir uns in Gegenwart des Anderen nicht so geben können, wie wir sind und immer aufpassen, was wir sagen und wie wir es sagen.  Irgendwann sagte ich zu ihm „Du, ich glaube, wir sind echt nicht auf dem gleichen Sarkasmuslevel!“. Und hey, Überraschung Klappe die Zweite. Er sieht es genau so. Wenn wir uns jetzt begegnen, sagen wir hallo und tschüss und wenn es gut läuft wechseln wir 3 Sätze miteinander. Dadurch wird mein Abend nicht weniger spaßig. Und wenn es gar nicht geht, wird es irgendwann doch gehen. Meistens finden wir mit der Zeit nämlich doch einen Weg, mit der Person umzugehen. Ansonsten sag‘ ich eben: Ich bleiben so scheiße, wie ich bin.

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