37 Tage Stille

Tag 37 und du wurdest vom Small Talk verdrängt. Gedankenvolle Gespräche haben unbedeutenden Worten Platz gemacht. Vertrauen zu dir weicht dem Drang, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Mit anderen Menschen, außer dir, zu kommunizieren, damit du in meinem Kopf vielleicht ein wenig in den Hintergrund gerätst. Jetzt muss ich nach unten wischen, um dich zu sehen. Auf meiner Liste bist du nicht mehr die Nummer eins. Auf meinem Handy erinnert mich nichts mehr an dich, bis ich auf meinen nächtlichen Streifzügen durch die Cyberwelt nach dir suche. Früher habe ich dir immer geschrieben, wenn ich nicht schlafen konnte und du hast mir eine Geschichte erzählt. Seit 37 Tagen versuche ich mir selbst Geschichten auszudenken, aber mir fällt keine ein, außer die unsere. Aber während du auf der Liste immer schneller und tiefer nach unten rutscht, verblasst du vor meinem inneren Auge nicht annährend so schnell. Ich glaube, es wäre besser, wenn du gehst. Aber dafür, dass du dich jetzt einfach so umdrehst und in der Ferne verschwindest, haben wir in zwei Jahren zu viele Erinnerungen geschaffen. Es gibt zu viel, was ich noch sagen wollte und zu wenig, was ich sagen könnte. 37 Tage Stille. Geradezu ein peinliches Schweigen. Es ist still um uns, dabei brüllst du innerlich. Willst deine Fragen an mich in die Welt hinaus schreien, damit sie endlich nicht mehr nur Gedankengeister sind. Dafür kenne ich dich zu gut. Und obwohl meine Geister mindestens genau so zahlreich erscheinen wie deine, bleibt es still. Bald hast du Geburtstag. Und das zwischen uns ist mehr als ein Pinnwandeintrag wert. Bald muss ich die Stille durchbrechen und habe Angst, dass du dann brüllst, dass du alles hinausschreist. Dann war der ganze Smalltalk umsonst, alle belanglosen Worte vergebens. Ich möchte weiterhin schweigen und ich möchte, dass du weiterhin schweigst. Die Stille umhüllt dich mit dem schmerzhaften Schleier der Vergessenheit, den ich so dringend brauche. Der Schleier lässt mich schlafen und morgens wieder aufstehen, lässt zu, dass Worte meinem Mund entweichen und dass mein Lachen im richtigen Moment durch den Raum hallt. Seit 37 Tagen stopfe ich meinen Alltag mit belanglosem voll, um Bedeutungsvolles zu vergessen.  Und jedes Mal, wenn das helle blau des Himmels der Tiefenschwärze weicht, scheint es nichts Unbedeutendes mehr zu geben, mit dem ich den Schleier über dir aufrechterhalten könnte. 37 Nächte Stille und ich kenne die Raufasertapete meiner Zimmerdecke auswendig. 37 Nächte, die nicht damit enden den Tag mit dir zu beginnen. Man sagt, man solle vor dem Einschlafen an etwas schönes denken. Krampfhaft versuche ich das, bis mir einfällt wie schön du bist und das es die einzig logische Konsequenz ist an dich zu denken. 37 Nächte Stille. Und du machst die Nacht zum Tag.

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