(Happy) ending – Über das Gefühlschaos bei neuen Lebensabschnitten

Neuer Job? Nach 5 Jahren wieder Single? Abschluss in der Tasche? Glückwunsch! Oder sollte ich lieber sagen mein Beileid? Sobald wir einen Lebensabschnitt hinter uns lassen, bricht in uns das reinste Chaos aus. Bin ich glücklich, erleichtert, freue ich mich, weil ich es endlich hinter mir habe? Oder habe ich doch eher Angst vor dem was noch kommt, bin wehleidig und nostalgisch? Wir müssen uns nicht für ein Gefühl entscheiden, wir bekommen alle zusammen!

Meine Klassenkameraden*innen und ich sitzen im Klassenzimmer und klatschen uns die Hände wund, während eine nach der anderen ihr Zeugnis ausgehändigt bekommt. Umarmug von der Lehrerin, rührende Worte, die jedem von uns ein bisschen Honig auf die Seele schmieren. Ist ja herzzerreißend denke ich mir still und rechne in Wirklichkeit im Kopf aus, wie viele Stunden mich noch von meinem Bett trennen. Als wir ein letztes mal die Schule durch die große blaue Tür verlassen, zünden wir uns eine Zigarette an und lachen über einen schlechten Witz, den eine Klassenkameradin gemacht hat. Da ist keine Noastalgie und kein Schwermut. Bis niemehr du hässlicher grauer Betonklotz sagt eine von uns. Sechs Stunden später sitze ich zu Hause auf dem Sofa und habe einen Kloß im Hals.

Ich habe nach drei Jahren Berufsausbildung meinen Abschluss in der Tasche. Ich bin glücklich, ich bin erleichtert und ich bin heilfroh, dass ich es endlich hinter mir habe. Und gleichzeitig bin ich ein wenig traurig, wehleidig und habe Angst vor dem, was jetzt kommt. Aber im Endeffekt bin ich nur verwirrt. Von mir selbst und meinen Gefühlen. Heute sitze ich mit einem Becher Eis auf dem Sofa und schaue mir mit Hilfe von Disney die Helden meiner Kindheit an. Morgen springe ich vollkommen euphorisch durch meine Wohnung und kann es gar nicht erwarten, dass der Nächste Abschnitt meines Lebens beginnt. Während  ich darauf warte, dass es endlich l0s geht suche ich nach dem großen unbekannten und nach der kleinen Beständigkeit. Ich versuche eine neue Sprache zu erlernen und sitze nachts mit Freunden aus meiner Teeniezeit auf dem Balkon. Ich treffe mich rein freundschaftlich mit meinem Expartner von vor fünf Jahren und wache morgens neben einem fremden Gesicht auf.

 

Gefühlssprünge Deluxe

Diese Gefühlssprünge bekommen wir öfter im Leben zu spüren. Und zwar immer dann, wenn sich eine Tür schließt und sich eine andere öffnet. Dieses Gefühlschaos ist fast genau so anstrengend wie die eigentliche Entscheidung für oder gegen die Sache. Soll ich die Beziehung beenden, weil ich nicht mehr Glücklich bin? Soll ich den Job in meiner Heimatstadt kündigen, um einen besseren in einer fremden Stadt anzunehmen? Wenn wir uns dann endlich entschieden haben fällt uns ein riesen Stein vom Herzen. Die Frage Soll ich, oder soll ich nicht? verfolgt uns nicht mehr bis in unsere Träume und wir feiern mit einer Flasche Sekt die Erleichterung die uns überkommt. Aber kaum ist die Flasche geleert, kommen die Fragen mindestens genau so heftig zurück War er vielleicht doch der Richtige? Will ich überhaupt aus meiner Heimatstadt weg? Werden meine Freudinnen und ich es schaffen den Kontakt zu plegen? hin und her gerissen zwischen unseren Gefühlen, sind wir froh, dass wir uns entschieden haben, aber haben trotzdem nicht das Gefühl schlauer als vorher zu sein. Wir können uns nicht richtig konzentrieren, wir haben das Gefühl, wir wissen gar nicht mehr so richtig, wer wir sind und was wir wollen. Dabei wissen wir das in den allermeisten Situationen intutiv ganz genau. Kennt ihr noch die Multiple Choice Aufgaben von früher in den Englisch Klausuren? Viele hatten daran zu knabbern, haben diese Aufgaben Art regelrecht gehasst. In meiner 15 jährigen Schullaufbahn habe ich keinen Satz öfter gehört als Oh mann, nein ich hasse Multiple Choice!! Während der Klausur saßen wir vor dem Blatt, haben uns gefühlt 50 mal die Aufgabe und Antwortmöglichkeiten durchgelesen. Unsere Hände wurden schwitzig und wir haben anhand vom klassischen Ausschlussverfahren versucht, auf die Richtige Antwort zu tippen.
Wir haben dann irgendetwas angekreuzt, gehofft, dass es richtig ist und uns der nächsten Aufgabe gewittmet. Und wenn wir am Ende noch Zeit hatten, konnten wir uns noch einmal durchlesen, was für einen genieartigen Quatsch wir auf den Klausurbögen fabriziert haben. Wir lernten schnell: Nie, nie, niemals noch einmal über die Multiple Choice Aufgaben drüber gucken. Dann kommen Zweifel. Du entscheidest dich um. Obwohl deine erste Antwort, in den meisten Fällen die Richtige war. Hör auf deine Intuition. Das Ende eines Lebensabschnitts ist die Multiple Choice Aufgabe des Lebens.Hör auf deine Intuition, die Entscheidung war in den meisten Fällen die Richtige.

 

Keep calm – It’s getting over !

Es gibt kein Arzneimittel gegen das Gefühlschaos, was uns all zu oft übermannt. Es gibt aber vieles, was dagegen helfen kann. Die Feunde, mit denen wir eine Pro und Contra Liste erstellen, ein Tapetenwechsel, die Flaschewein mit Mama. Egal was einem hilft, Ordnung in das Gefühlschaos zu bringen. Eins ist klar: Es geht vorbei!

 

 

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